Fünfmal beten neben Lehre, Schicht und Znüni
Die häufigste praktische Frage, die uns erreicht, kommt nicht von Neugierigen, sondern von Muslimen selbst: Wie soll das gehen mit fünf Gebeten und einem normalen Arbeitstag?
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Rechnen wir zuerst nüchtern. Ein Pflichtgebet dauert je nach Gebet drei bis sieben Minuten. Die Waschung davor braucht zwei. Von den fünf Gebeten fallen im Winter oft nur zwei in die Arbeitszeit, im Sommer manchmal gar keines – Fajr ist vor Arbeitsbeginn, Maghrib und Isha danach.
Realistisch geht es also um eine bis zwei Pausen von je fünf bis zehn Minuten. Das ist weniger als eine Raucherpause und deutlich weniger, als die meisten Leute befürchten, bevor sie zum ersten Mal darüber reden.
Wo beten, wenn es keinen Raum gibt
Ein Gebet braucht keinen besonderen Ort. Es braucht eine saubere Fläche von etwa einem mal zwei Metern und die ungefähre Richtung nach Mekka. In der Praxis heisst das: ein leeres Sitzungszimmer, die Garderobe, das Lager, die Ecke im Aufenthaltsraum, im Sommer auch der Rasen hinter dem Gebäude.
Ein zusammengefalteter Gebetsteppich passt in jede Tasche. Die Richtung und die Zeiten zeigt dir jede Gebets-App – und in der Moschee in deiner Nähe sagt dir jemand gern, wie es geht.
Was tun bei Schichtarbeit
Im Islam gibt es für jedes Gebet ein Zeitfenster, nicht einen exakten Zeitpunkt. Dhuhr reicht bis Asr, Asr bis Sonnenuntergang. Wer im Spital, auf dem Bau oder in der Produktion arbeitet, betet am Anfang oder am Ende des Fensters, je nachdem, wann eine Pause möglich ist.
Auf Reisen und in bestimmten Situationen dürfen Gebete zusammengelegt oder gekürzt werden. Wenn deine Schicht regelmässig zwei Gebetszeiten verschluckt, ist das eine gute Frage für den Imam deiner Moschee – dafür gibt es etablierte Lösungen.
Wie man es anspricht
Kurz, sachlich, mit einem Lösungsvorschlag. Etwa so:
«Ich bete als Muslim zweimal während der Arbeitszeit, je etwa fünf Minuten. Ich würde das in meine Pause legen und im Sitzungszimmer machen, wenn es frei ist. Passt das für dich?»
Diese Formulierung funktioniert, weil sie drei Dinge klärt: wie lange, wann und wo. Die Erfahrung vieler Leute in der Schweiz ist, dass die Antwort meistens ein Schulterzucken ist. Probleme entstehen fast immer dann, wenn man es lange verheimlicht und der Chef es zufällig entdeckt.
Was rechtlich gilt
Es gibt in der Schweiz kein Recht auf eine bezahlte Gebetspause. Es gibt aber auch nichts, was Gebete am Arbeitsplatz verbietet. In der Praxis ist es eine Absprache zwischen dir und deinem Betrieb – wie flexible Pausenzeiten überhaupt. Betriebe mit Schichtbetrieb kennen solche Regelungen längst.
Wenn ein Gebet doch untergeht
Dann holst du es nach, sobald du kannst. Kein Drama, keine Strafe, kein Grund aufzuhören. Das gilt besonders für alle, die neu im Islam sind: Wer versucht, sofort alle fünf perfekt einzuhalten, hört oft nach drei Wochen ganz auf. Wer mit einem anfängt und es durchzieht, betet nach einem Jahr fünfmal.
Hast du eine Situation, die hier nicht vorkommt – Lehrbetrieb, Militär, Spitalschicht? Schreib uns, wir gehen sie mit dir durch.